KLEEBLATT-Magazin TOGO

Deutsche Zeitschrift aus Togo, die 2022 vom Deutsch-Klub der Université de Lomé (Togo) gegründet wurde. Unsere Vision besteht darin, in Togo einen renommierten deutschen Medienkanal zu schaffen, um unsere Minderheit, die fließend Deutsch spricht oder Deutsch übt, zu unterstützen und die damit verbundenen Vorteile zu fördern.


Meine Reise ins Deutsche – Zwischen Neugier, Ausdauer und Leidenschaft

Text: Emmanuel Klonzia (Ghana)

Deutschlernen ist für viele eine Herausforderung, manchmal sogar eine, die zum Aufgeben verleitet. Doch es gibt immer Hoffnung. Solange der Baumstumpf noch im Boden steckt und Zugang zu Wasser hat, kann er wieder austreiben. Genauso ist es mit einer Fremdsprache: Wer einmal begonnen hat und noch Zugang zu den nötigen Ressourcen hat, kann jederzeit wieder anknüpfen. Es spielt keine Rolle, wie lange die Pause war oder wie schwer der Anfang fiel – entscheidend ist die Bereitschaft, weiterzugehen. Denn auf jedem Fundament lässt sich neu aufbauen. Wer Deutsch lernen will, muss nicht perfekt sein, sondern nur bereit, weiterzulernen. Deutschlernen war für mich kein geradliniger Weg, eher ein Abenteuer mit Stolpersteinen, Aha-Momenten und jeder Menge Leidenschaft. Hier ist meine Geschichte

Es gibt die Vorstellung, dass es schwierig ist, Deutsch zu lernen. Diese Vorstellung oder Aussage enthält ein Körnchen Wahrheit oder die ganze Wahrheit, aber ob es schwierig oder einfach bleibt, hängt von jedem Einzelnen ab. Ich habe an der Senior High School (S.H.S.) das Fach „General Science“ belegt. Ich hatte eine große Begeisterung für Französisch und war auch gut darin. Deshalb wollte ich die Sprache zusätzlich zum regulären Unterricht vertiefen. Leider blieb mir diese Möglichkeit verwehrt, da nur Schüler des allgemeinen Kunstzweigs Französisch belegen durften – und es gab damals keinen Französischclub, dem ich hätte beitreten können. Ich tat alles, was ich konnte, aber ich bekam keine Chance oder Gelegenheit, es zu lernen, wie ich es in der Junior High School (J.H.S.) gelernt hatte.

Zum Glück gab es an meiner Schule einen Deutschclub – eine Gelegenheit, die ich sofort ergriff. Ich dachte mir: Wenn ich Französisch liebe und darin gut bin, warum sollte ich nicht auch Deutsch mögen und beherrschen können? Meine Leidenschaft für Sprachen war ohnehin groß, und die Neugier auf Neues trieb mich an. So begann meine Reise mit der deutschen Sprache und zwar  spontan, motiviert und voller Entdeckergeist.

Meine ersten Deutschstunden hatte ich am 16.November 2018 an der Accra Academy. Und ich war von der deutschen Sprache begeistert! Wir trafen uns montags, mittwochs und freitags. Wenn die Schule an diesen Tagen aus war, ging ich zum Deutschclub, um zu lernen. Und ich war konsequent dabei. Herr Sackey war damals mein Deutschlehrer. Einige der ehemaligen Schüler, die von Herrn Sackey Deutsch gelernt hatten, kamen manchmal vorbei, um uns zu unterrichten oder uns beim Deutschlernen zu helfen.

An meinem ersten Tag war es nicht einfach, weil ich kaum etwas lesen konnte, vor allem, wenn man sich daran erinnern muss, wie die Alphabete ausgesprochen werden, und sich diese Aussprache einprägen muss, um Wörter auszusprechen und schließlich Sätze zu lesen. Nach und nach gelang es mir, nicht nur meine Lese-, sondern auch meine Hör-, Sprech- und Schreibfähigkeiten zu verbessern. Ich begann, in allen vier Modulen der Sprache vielseitig zu werden, aber ich war immer noch nicht perfekt. Ich habe immer versucht, mit Herrn Sackey Deutsch zu sprechen, und er korrigierte  mich sofort , wenn ich einen Fehler gemacht habe. Ich habe ihm jedes Mal zugehört, wenn er ein  Gespräch mit einigen Deutschen oder mit einigen Menschen führte, die Deutsch beherrschen. Ich habe das nur gemacht, um meine Hörfähigkeiten zu verbessern und um festzustellen, ob ich solche Gespräche verstehen konnte. Ich hatte keine Probleme mit dem Schreiben, solange ich das deutsche Wort für das, was ich schreiben wollte, kannte.

Wann immer ich deutsche Filme schaute, notierte ich jedes neue Wort, das mir auffiel, und suchte anschließend die Bedeutung auf Englisch und manchmal auch umgekehrt. Selbst unterwegs blieb ich aufmerksam: Wenn ich auf dem Schulweg deutsche Wörter auf Autos oder Plakaten entdeckte, schlug ich sie später nach. Nach meinem Abschluss an der Accra Academy war ich schließlich auf mich allein gestellt und setzte mein Deutschlernen mit noch mehr Eigeninitiative fort.Meine Neugier auf Deutsch wuchs immer weiter, da ich die englischen Entsprechungen aller deutschen Wörter wissen wollte, was auch nicht einfach war, da ich immer mehr deutsche Vokabeln lernen musste. Ich lud deutsche Lieder herunter, ob ich sie verstand oder nicht, nur um mehr Vokabeln zu bekommen, die ich beim Sprechen verwenden konnte, und auch für meine Hörübungen. Um meine Hörübungen herauszufordern, lade ich deutsche Rap-Songs herunter und höre sie mir an. Ich wusste, dass ich sie nicht verstand, aber ich wollte etwas Herausforderndes.

Ich habe festgestellt, dass die deutsche Sprache viel Zeit, Geduld und vor allem regelmäßigen Kontakt braucht, um wirklich Fortschritte zu machen. Obwohl ich nie Sprachwissenschaften studiert habe und Deutsch nicht mein Hauptfach ist, habe ich mich bewusst dafür entschieden, alles in meiner Macht Stehende zu tun, um meine Begeisterung für die Sprache lebendig zu halten. Ein wichtiger Tipp, den ich aus eigener Erfahrung weitergeben kann: Wenn man mit Muttersprachlern oder geübten Deutschsprechern üben möchte, sollte man sie direkt auf Deutsch ansprechen. Denn die Sprache, mit der man ein Gespräch beginnt, bestimmt oft den weiteren Verlauf. Wer auf Englisch oder einer anderen Sprache zugeht, bekommt meist auch diese zurück. Aber wer den Mut hat, mit Deutsch zu starten, wird überrascht sein, wie bereitwillig viele darauf eingehen und in der Sprache antworten – und genau das ist der Schlüssel zum Lernen.

Ich habe mir viele deutsche Vokabeln angeeignet, aber die meisten vergesse ich immer wieder. Das liegt wahrscheinlich daran, dass ich nicht alle diese Wörter in meinen täglichen Gesprächen verwende und auch kein Deutsch als Hauptfach studiere. Aber insgesamt verliere ich nicht die Hoffnung, denn viele kleine Tropfen ergeben einen mächtigen Ozean. Eine Sache, die mein Deutsch am Leben erhalten hat, ist, dass ich auch verschiedene Deutschprüfungen wie die A1-Goethe-Prüfung, die A2-Goethe-Prüfung und den B1-Einstufungstest des DAAD abgelegt habe. Und eine andere Sache ist, dass ich anderen Menschen das beigebracht habe, was ich im Laufe der Jahren oder in diesen wenigen Jahren gelernt habe, darunter Schülerinnen und Schüler der Accra Academy, der Christian Methodist Senior High School, der University of Cape Coast und einige zufällige Menschen aus verschiedenen Orten.

Deutschlernen macht mir große Freude. Wie jede andere Sprache eröffnet auch Deutsch neue Fenster zur Welt: Es erleichtert den Zugang zu unterschiedlichen Kulturen und schafft Brücken zwischen Menschen. Genau das erlebe ich heute selbst. Seitdem ich mit dem Deutschlernen begonnen habe, hat sich mein Leben spürbar verändert. Ich habe Freundschaften geschlossen, die ich mir früher nie hätte vorstellen können und besonders mit Menschen aus Deutschland. Jede Begegnung zeigt mir, dass Sprache nicht nur ein Mittel zur Kommunikation ist, sondern ein Schlüssel zu Vertrauen, Nähe und gegenseitigem Verständnis.



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ÜBER UNS

Im Jahr 2022 entschied sich die Schreibgruppe des Deutschclubs der Universität Lomé (Togo), die als « Federgruppe » bekannt ist und aus etwa 20 Personen besteht, ein jährliches Magazin auf Deutsch zu veröffentlichen.

Die verfolgten Ziele sind sehr vielfältig. Dazu gehören unter anderem: die Wertschätzung des künstlerischen und journalistischen Potenzials der Mitglieder, die Ausübung der deutschen Sprache, Information, Unterhaltung, der kulturelle Austausch zwischen Togo und Deutschland usw.

In diesem Sinne hat die Gruppe dank der Unterstützung unter anderem des Goethe-Instituts Lomé ihre erste Ausgabe veröffentlicht. Seitdem bemüht sie sich weiterhin, die Ausgaben zu vervielfältigen.

Für mehr Infos, kontaktieren Sie uns bitte unter: federkleeblatt2022@gmail.com

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